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Humboldt-Universität zu Berlin - Heymat

Neue Deutsche

Neue Deutsche

Die Kategorie "Neue Deutsche" bezeichnet allgemein Menschen, die über eine deutsche Staatsbürgerschaft (auch Mehrfachbürgerschaft) und einen Migrationshintergrund verfügen.
Der Begriff "Neue Deutsche" kann als ein postmodernes Konstrukt verstanden werden, um Identitätsbildungsprozesse als prinzipielle Inklusionsprozesse zu verstehen und wird im Forschungsprojekt "Hybride europäisch-muslimische Identitätsmodelle (HEYMAT)" an der Humboldt-Universität zu Berlin als Titel einer empirischen Studie verwendet, in der das Verhältnis von Menschen mit muslimischen Migrationshintergrund zu deutschen Identität erfragt und analysiert wird.

Abgrenzung bzw. Ergänzung zu anderen Begriffen

Der Begirff entstand in Abgrenzung zum Begriff der "alteingesessenen Deutschen", die für sich Etabliertenvorrechte reklamieren. Er soll verdeutlichen, dass Deutschland und "Deutsch-Sein" sich wandeln und die ehedem ethnischen Zuschreibungskriterien für "Deutsch" nicht die reale Bevölkerungsstruktur und Zusammensetzung des Landes wiederspiegeln, sondern auf essentialisierenden Konstrukten von Kultur, Nation und Ethnie beruhen.

Position in der Gesellschaft
Von der deutschen Mehrheitsgesellschaft werden die "Neuen Deutschen" vielfach trotz ihrer bestehenden deutschen Staatsbürgerschaft nicht als "deutsch" angesehen.
Die Zugehörigkeit wird eher durch ethnisierende und rassifizierende Markierungen dem Herkunftsland der Eltern oder Großeltern zugeschrieben, womit ein Exklusionsmechanismus aufrecht erhalten wird, der suggeriert, dass sich die Person nur zu einem provisorischen oder zumindest zeitlich befristeten Aufenthalt
in Deutschland befindet und es eine andere Heimat ausserhalb Deutschlands gibt. Dabei leben die "Neuen Deutschen" teilweise schon seit Generationen in der Bundesrepublik Deutschland. Teilweise zeigt sich, dass, sollte die suggerierte Heimat das Herkunftsland der aktiv migrierten Generation sein, die „Neuen Deutschen“ auch dort nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt, sondern als „Deutsche“ gesehen werden.



"Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." Rede des Bundespräsidenten Wulff zum Jahrestag der Deutschen Einheit 2010 (Quelle)

"In Spanien wurde sogar schon über eine Flucht des im Vergleich zum Zauberer Mesut Özil nicht ganz so geliebten Deutschen aus Madrid spekuliert." FAZ über Sami Khedira (Quelle)

"Die größte Stärke unseres Landes sind die Menschen, die hier leben. Ihre Vielfalt, ihre Talente machen Deutschland lebens- und liebenswert. Mir ist es dabei wichtig, Verbindungen zu schaffen: zwischen Jung und Alt, zwischen Menschen aus Ost und West, Einheimischen und Zugewanderten, Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Arbeitslosen, Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Das ist naturgemäß nicht einfach. Es gibt unterschiedliche Interessen, es gibt Vorurteile gegeneinander, Bequemlichkeiten und Anspruchsdenken. Ich möchte helfen, über all das hinweg Brücken zu bauen, weil wir unvoreingenommen aufeinander zugehen müssen, einander aufmerksam zuhören sollten und miteinander sprechen müssen.

Es gibt so unendlich viele Erfolgsgeschichten in unserem Land. Sie werden mir nachsehen, dass ich mich in diesem Jahr, 2010, besonders an meine Begegnung mit dem Vater von Frau Özkan, der ersten Landesministerin muslimischen Glaubens in Deutschland, erinnere, einem Mann, der fast 50 Jahre hart gearbeitet hat er arbeitet immer noch , der auf die Bildung und den Fleiß seiner Kinder Wert gelegt hat und der nun erlebt hat, wie erfolgreich und geachtet seine Tochter in unserer Gesellschaft ist. Seine Augen strahlten vor Glück. Das gibt manchmal mehr an Empathie als vieles, was wir hier in Form von Gesetzesberatungen erlebt haben und weiter erleben werden.

Die Frage, ob man dazu verhilft, dass viel mehr Menschen in unserem Land, viel mehr Eltern in unserem Land dieses Glück empfinden können, hier auf- und angenommen zu sein und gleichberechtigt zu sein, das ist mir ein wichtiges Anliegen. Dabei weiß ich: Es gibt längst nicht genug solcher Erfolgsgeschichten. Wann wird es bei uns endlich selbstverständlich sein, dass unabhängig von Herkunft und Wohlstand alle gleich gute Bildungschancen bekommen?

Wann wird es selbstverständlich sein, dass unabhängig von Herkunft und Wohlstand nicht nur gleiche Bildungschancen gewährt werden, sondern dass auch alle Kinder, die hier groß werden, die deutsche Sprache beherrschen, auch die deutsche Sprache neben ihrer Muttersprache gut beherrschen? Wann wird es selbstverständlich sein, dass jemand mit den gleichen Noten die gleichen Aussichten bei einer Bewerbung hat, egal ob er Yilmaz oder Krause oder anders heißt? Die Untersuchungen dazu lassen mich jedenfalls nicht ruhen, weil hier großer Handlungsbedarf besteht und weil, vielleicht auch aus Unwissenheit, manche Form fehlender Chancengerechtigkeit bisher hingenommen wird.

Meine Antwort auf solche Fragen lautet: Wenn wir weniger danach fragen, woher einer kommt, als danach, wohin er will, wenn wir nicht mehr danach fragen, was uns trennt, sondern was uns verbindet auch die monotheistischen Weltreligionen , dann wird das Zusammenleben in unserem Land menschlicher und zugleich erfolgreicher sein. Wenn wir nicht mehr danach suchen, was wir einander voraushaben, sondern was wir voneinander lernen können, dann wird Neues, Gutes entstehen, zum Beispiel aus urdeutscher Disziplin und türkischem Dribbling, aus preußischem Pflichtgefühl und angelsächsischer Nonchalance, aus schwäbischer Gründlichkeit und italienischer Lebensart, demnächst vielleicht aus rheinländischer Lebenskunst und chinesischer Bildungsbegeisterung."Auszug aus der Antrittsrede des Bundespräsidenten Christian Wulff (Quelle)


"Beinah könnte man darüber lachen: Ausgerechnet ich bin in die Identitätsfalle getappt, die ich zuvor in meinen Essays beschrieben hatte. Ja, ich bin Muslim, und ja, ich bin Schriftsteller. Aber ich bin kein muslimischer Schriftsteller. Die einzige Gemeinschaft, der ich als Schriftsteller angehören möchte und vom heutigen Abend an hoffentlich wieder ausschließlich angehören werde, ist weder Nation noch Konfession. Es ist eine Literatur. Ich bin ein deutscher Schriftsteller."
Navid Kermani ( Quelle)

"Ich bin eine marokkanische Hessin!"
Senna Guemmour (Quelle)


"Mein Leben lang werde ich gefragt werden, was ich vom Islam und von multikultureller Gesellschaft halte. Und ich werde mich mein Leben lang darüber ärgern, dass man mich regelmäßig damit belämmert. Dennoch werde ich mich nicht zurückhalten können und für den Rest meiner Tage Stellung beziehen. Was soll's."
Dilek Güngör (Quelle)

"So hat sich auf der Terrasse des Hotels eine Gruppe junger Menschen aus Deutschland versammelt, deren Verwandte aus der Türkei, Griechenland oder Mexiko kommen und die dort in Italien einen modernen deutschen Heimatfilm präsentieren."
Claudia Voigt über Fatih Akins Film 'Soul Kitchen' (Quelle)

"Ali Khodaverdian ist stellvertretener Vorsitzender. Als iranischer Hesse steht auch er jenseits von Nationalitäten und Zugehörigekeiten"
Vorstellung des Vorstandes der Generation X (Quelle)

"[...]in wenigen Jahren wird in Berlins Innenbezirken jedes zweite Kind einen Migrationshintergrund haben, aber auch einen deutschen Pass. Das ist die Realität, die Menschen leben hier, es sind Deutsche." Nana Brink bei Deutschlandradio Kultur (Quelle)