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Humboldt-Universität zu Berlin - Heymat

Deutschland ist meine Heimat, aber...

Einheimische mit türkischem Migrationshintergrund - Eine kombinatorische Analyse hybrider deutsch-türkischer Identitätsmodelle


Die Arbeit befasst sich mit Personen türkischer Herkunft, die hier geboren sind. Statistische Studien zur Integration von Menschen mit türkischem Migrationshintergrund gibt es unzählige. In diesen werden ganz allgemein sozio-strukturelle und sozio-kulturelle Unterschiede zwischen türkeistämmigen Personen mit türkischem Migrationshintergrund und „einheimischer“ Bevölkerung offen gelegt und eine mangelnde Integrationsbereitschaft der Personen mit türkischem Migrationshintergrund konstatiert (zuletzt die Berliner Studie „Ungenutzte Potentiale“). Unter mangelnder Integrationsbereitschaft wird dabei meist die fehlende Assimilationsbe-reitschaft verstanden. Das Bild der „Integrationsunwilligen“ wird schließlich von Medienberichten zu Themen wie Ehrenmord, Zwangsheirat, Gewalt von türkeistämmigen Jugendlichen, Kopftuchzwang und islamischem Fundamentalismus überlagert, so dass sich ein negativ konnotiertes Bild von „den“ Personen mit türkischem Migrationshintergrund in den Köpfen der Mehrheitsgesellschaft festsetzt. Auf diese Weise werden vermeintliche ethnische Differenzen verstärkt und Re-Ethnisierungen finden statt, obwohl türkeistämmige Einheimische, aufgrund ihrer kulturellen Ressourcenausstattung, weder durch „Türkisch-Sein“ noch durch „Deutsch-Sein“ definiert werden können. Sie sind hybrid. Die Forschungsarbeit sucht eine Erklärung für die Entstehung von hybriden Identitäten und beschreibt ihre Möglichkeiten als neue Identitätsmodelle. Als Analysemodell wird ein Zwei-Ebenen-Modell vorgeschlagen, das sowohl die Gruppen- als auch Individualebene betrachtet. Im Rahmen des Projekts „Hybride europäisch-muslimische Identitätsmodelle“ werden ca. 50 Deutsche, die sowohl einen Migrationshintergrund als auch einen muslimischem Familienhintergrund haben, unter anderem zu Themen wie (Poly-) Kulturalität, Diskriminierung und Identifikation qualitativ befragt. Die Befragung findet in Form von Einzelinterviews statt. In der Stichprobe befinden sich ca. 20 Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund (in Deutschland geboren). Die Antworten dieser 20 Personen sollen im Rahmen dieser Doktorarbeit qualitativ ausgewertet werden. Es sollen Indikatoren bzw. Codes für Hybridität gefunden werden. Mithilfe dieser Codes werden anhand der Fuzzy-Set Analyse Bedingungen für das Auftreten gewisser hybrider Zugehörigkeitskonstellationen herausgearbeitet. Im Anschluss sollen diese hybriden Identitätsmodelle im Hinblick auf die mögliche Wandlungsprozesse von kollektiven Identitäten auf der Meso- bzw. Makroebene (z.B. nationale Identitäten) diskutiert werden.  Diese Vorgehensweise hebt sich von klassischen Auswertungsmethoden bei qualitativen Interviews dadurch ab, indem sie versucht, eine Systematisierung der Ergebnisse anhand der Fuzzy-Set-Analyse, die zwischen quantitativer und qualitativer Analyse angesiedelt ist, vorzunehmen. Damit wird erreicht, dass zum einen die Aussagekraft der Ergebnisse gesteigert und zum anderen die soziale Realität - im Gegensatz zu quantitativen Studien - besser erfasst wird. Neben der qualitativen Analyse werden in der Doktorarbeit auch quantitative Statistiken aus verschiedenen Datenquellen (Mikrozensus 2009, ALLBUS, ESS etc.) präsentiert.

Coskun Canan

Abstract Dissertationsprojekt (pdf)


Kontakt: heymat.sowi[at]hu-berlin.de